Eines der interessantesten Publishing Projekte letztes Jahr war für mich die cross-mediale Plattform oolipo, bei der Autoren die klassischen Medienpfade verließen und eine Mischung aus Chat, Video, Foto, Audio und on-screen Text veröffentlichten.

 

Sowohl für Leser als auch für Kreative ein wirklich spannendes Konzept. Gerade auch mit dem Zugpferd Doro Martin personell exzellent besetzt.

Besonders euphorisch stimmte mich, dass gerade die als mittelständisches Familienunternehmen wenig wagemutigen Bastei-Lübbe sich in dieses Abenteuer stürzten, das als Geschäftsmodell vielleicht wirklich das Potential gehabt hätte, die Umwälzung der Buchbranche einzuläuten, auf die wir nun schon Jahre warten.

Leider war für die im März 2017 gelaunchte Plattform noch vor Ende des Jahres das Spiel schon wieder zu Ende.

Über die investierten und verlorenen Gelder lästert die Branche. Und dass sich keine weiteren Investoren zum Nachschießen fanden:

“… Natürlich haben wir gerade auch überlegt, ob wir das Sterben der weitgehend unbekannten Oolipo-App überhaupt berücksichtigen sollen. Doch App Store-Debakel wie Oolipo sind einfach zu absehbar um nicht erwähnt zu werden. Ganz davon abgesehen, dass es die mobilen Fehltritte der großen Unternehmen ohnehin nur selten in die Öffentlichkeit schaffen.”

Geld verbrennen mit Oolipo: „Lesen heißt Videos schauen“

Die Vermutung liegt leider tatsächlich nahe, dass das Mutterunternehmen sowohl technologisch wie marketingseits sehr blauäugig an dieses Projekt herangegangen sein, wenn man diese Zahlen liest.

Die abrupte Einstellung stimmt nicht nur traurig, sondern sorgt auch nachträglich noch für Schrecken, auf welch tönernen Füßen die Produktstrategie und Finanzierung anscheinend standen. Das war dann offenbar doch nur ein Innovations-Feigenblatt. Bastei-Lübbe ist in der Digitalisierung bisher eher fachfremd in der Gaming-Branche beteiligt. In der Stamm-Zielgruppe fehlte es entweder an Mut oder ander Ernsthaftigkeit, oder an beiden.

Schade, um die klugen Köpfe, die sich dafür auf beiden Seiten der Plattform aufgerieben haben.

Und schade, dass mit dieser Entwicklung wieder einmal eine gehörige Dosis Demotivation in den Markt geblasen wird. Das Gegenteil wäre hilfreich und sinnvoll.

Einzig gute Nachricht in diesem Zusammenhang: die Ideen, die Macher und die Autoren sind noch da, irgendwo da draußen… Bleibt dran! Macht weiter! Vernetzt euch!