Selfpublishing wird ernstgenommen. Auch von der “alten” Verlagsbranche. Wie ernst, das zeigt sich jetzt daran, dass die liebgewonnen Kategorien des Establishments nun übertragen – und medial gefeiert werden. Da wäre: der Buchpreis!

Buchpreise sind ein toller PR-Aufhänger. Vor allem für die Verlage, die im marketingseitig deutlich mehr von der Prämierung profitieren als der Autor selbst. Wenngleich es sich als best(prämiert)es Pferd im Stall natürlich besser lebt.

Eines der größten Kritikpunkte am klassischen Buchmarkt und Verlegergeschäft ist der Vorwurf sich um sich selbst zu drehen und an den Lesern vorbeizuregieren. (Folglich: sinkende Absatzzahlen.)

Self-Publishing war einst angetreten dies zu ändern. Autoren, die zugleich unternehmerisches Gespür besitzen und einen Draht zu ihren Lesern haben, nicht länger zu bevormunden (und finanziell einzuschränken).

Und andererseits den kompeten Leser ernst zu nehmen. Nicht länger der Verleger sollte über die Landschaft der Publikationen bestimmen, eine treue Leserschaft kann einen Autor auch ohne Mittelmann ernähren.
Fan-Fiction? Warum nicht! Nur weil kein Verlag in unternehmerisches Risiko gehen wollte, heißt es noch nach nicht, dass hier kein Bedarf zu decken und zu wecken ist. Und so kam es auch: Marktnachfrage löste die Alleinherrschaft des Verlegerkönigs ab.

Vor diesem Hintergrund fällt es nun unangenehm auf, dass mit den Jury- und Preisdiskussionen die Frage nach der Kollegenanerkennung, gegen die man sich ursprünglich wandte, nun plötzlich doch an Stellenwert gewinnt.

Die Shortlist des Kindle Storytelling Awards wurde gerade veröffentlicht.
(Nicht ohne Häme des Establishments, wie etwa im Literaturcafé zu lesen ist: Shortlist des Kindle Storyteller Award 2018: »Sprachlich hilfloses Gerumpel«)

Und auch der Börsenverein des Buchhandels legt mit seiner Shortlist für den deutschen Self-Publishing Preis nach.

Auch der Self-Publishing Autor will auf seinen Pokal nicht verzichten. Läuten Eitelkeit und Ruhm das Ende der Revolution ein?

Statt die verlorene Abgrenzung zu beweinen, kann man sich aber auch einfach am großen Erfolg des selbstbestimmten Publizierens freuen.
Self-Publishing ist nicht nur erwachsen, sondern auch unwiderlegbar erfolgreich geworden.

Ohnehin werden auf unbestimmte Zeit die Self-Publisher die Underdogs im Literaturolymp bleiben. Um so süßer der Jubel, wenn die ehemals wegen ihres Business Modells als Emporkömmlinge belächelten “Indies” auch die etablierten Preise erobern.
In Frankreich steht 2018 mit Marco Koskas erstmals ein Self-Publisher auf der Longlist des renommierten Prix Renaudot.

Und zurecht pariert der Nominierte gekonnt das Geläster: man solle doch nun bitte nicht gegen Amazon schießen, das sein Buch auf den Markt gebracht hat. Kritik müsse man an all den Verlagen üben, die sein Manuskript abgelehnt haben.

Treffer. Versenkt.

PS: In der Musikbranche erlebt eine parallele Entwicklung der moderne Jazz, der sich an den anderen Ort und ebenfalls mit Hilfe eigener Netzwerke emanzipert. (EconoTimes: Jazz isn’t dead, it’s just moved to new venues)